DTB-Bundestagung Frauen im Saarland
Erstmals fand unter der Leitung von Inge Voltmann-Hummes, seit 2004 DTB-Vizepräsidentin Frauen, Gleichstellung und Personalentwicklung, im September im Sport- und Freizeithotel des Saarländischen Turnerbundes in Braunshausen die jährliche Bundestagung Frauen statt.
Schwerpunkt der Bundestagung war der Themenbereich Personalentwicklung. Einen interessanten Einstieg in die Thematik lieferte Prof. Dr. Ansgar Thiel aus Tübingen mit dem Vortrag „Wie innovativ sind Turn- und Sportvereine?“. Eigens zu diesem Thema hatte der DTB-Bundesausschuss Frauen gemeinsam mit der Vizepräsidentin Frauen im Saarländischen Turnerbund Elsbeth Kallenbach interessierte Frauenvertreterinnen aus Turngauen und Vereinen eingeladen. In der anschließenden Diskussionsrunde erläuterte der Referent, warum in Vereinen und Verbänden oft an überkommenen Strukturen festgehalten wird und wie Innovationen und neue Ideen sinnvoll implementiert werden können. Sowohl für die Frauenvertreterinnen der Landesturnverbände als auch für die zielgerichtete Arbeit vor Ort in Turngauen und –verbänden zeigte der Tübinger Professor viele strategische Ansätze auf. Zudem verdeutlichte er, das sich hinter dem Begriff „Personalentwicklung“ die Aufgabe, „Frauen und Männer für das Ehrenamt zu motivieren, zu gewinnen und zu qualifizieren“ verbirgt. Inge Voltmann-Hummes zeigte in einer Präsentation, in welcher Form Personalentwicklung zukünftig, zunächst konzeptionell, bearbeitet werden soll.
Weitere Schwerpunkte der Bundesfrauentagung waren der Abschlussbericht des Internationalen Deutschen Turnfestes (IDTF) Berlin 2005 von Ursula Sauer und Martina Dröll. Hier wurde deutlich, dass die Verbindung von Veranstaltungen mit Talk- und Diskussionsrunden, aber auch Show und Spaß breite Zustimmung gefunden hatten und als grundlegendes Konzept für das nächste IDTF in Frankfurt/Main beibehalten werden soll.
Ursula Sauer wird dann allerdings nicht mehr als Leiterin der Turnfest-Aktivitäten am Frauen-Info-Point zur Verfügung stehen. Für sie war diese Bundesfrauentagung gleichzeitig der Abschied aus dem Bundesfrauenausschuss, in dem sie zehn Jahre engagiert mitgearbeitet
hatte. Im Namen aller Frauen im DTB bedankte sich Inge Voltmann-Hummes herzlich.
Engagement und Vorbild: Elsbeth Kallenbach erhält den Els-Schröder-Preis

- Die Preisverleihung fand im Rahmen der Bundesfrauentagung in Braunshausen statt. Inge Voltmann-Hummes vom DTB (li.) und STB-Präsident Kurt Bohr freuen sich mit Elsbeth Kallenbach zur verdienten Auszeichnung.
Am 17. September hat Elsbeth Kallenbach, Vizepräsidentin Frauen im Saarländischen Turnerbund, im Rahmen der Bundesfrauentagung im Sport und Freizeithotel in Braunshausen den Els-Schröder-Preis erhalten.
Der Els-Schröder-Preis ist der Preis des DTB, mit dem Frauen ausgezeichnet werden, die Vorbilder in der gesamten deutschen Turnbewegung sind. Vorbild heißt in diesem Fall, jahrzehntelange Arbeit im DTB und seinen Untergliederungen.
Wer hat das nicht mögen Sie zu Recht denken. Nein, so einfach ist das nicht. Es handelt sich um ein ganz besonderes Vorbild. Die Els-Schröder-Preisträgerin kämpft nämlich nicht nur für die Interessen der Frauen, das tun auch viele Männer in diesem Verband. Aber sie ist nicht der Regelfall des typischen Ehrenamtlichen, zwischen 55 und 85, männlich, verheiratet, mehrere Ämter gleichzeitig und zuhause oftmals nur aus Erzählungen bekannt.
Unser Vorbild für den Els-Schröder-Preis hat Kinder selbst groß gezogen, hat einen Haushalt versorgt, einen anspruchsvollen Beruf ausgeübt und darüber hinaus noch einen großen Teil ihres Lebens dem Engagement im Ehrenamt gewidmet. Über ein halbes Jahrhundert ist Elsbeth Kallenbach ihrem Heimatverein TV Fischbach treu geblieben, hat auf Vereins- und Verbandsebene hohe Ämter bekleidet, hat auf Turngauebene ihr fachliches Können eingebracht und hat bald ein Viertel Jahrhundert engagierter Frauenarbeit vollgemacht. Sie hat ein modernes Frauen-Netzwerk aufgebaut, oder man könnte auch sagen, hat einfach überall mit und aufgemischt in der gesamten saarländischen Sportlandschaft sowie im DTB.
Aber ihr Ding ist und bleibt die aktive Frauenpolitik. Mit jährlichen Frauentagungen spricht sie eine große Anzahl Frauen durch interessante Beiträge und Informationen an. Das Thema „Sport tut Frauen gut – Frauen tun dem Sport gut“ wurde zum Beispiel auf der diesjährigen Tagung von 70 Teilnehmern und Teilnehmerinnen diskutiert. Hier geht es um die Implementierung von Gender Mainstreaming. Verbunden mit Frauenförderung, Mentoring und Vernetzung ist ihr dies ein Herzensanliegen. Und apropos Herz, auch frauenmedizinische Themen greift Elsbeth Kallenbach an. Sie engagierte ihren Präsidiumskollegen für einen Vortrag auf der Frauentagung zum Thema „Herzinfarkt, das neue Frauenleiden“. Das ist Elsbeth, alles im Blick.
Der Frauenförderplan des Saarlandes ist ihr Kind, dafür hat sie gekämpft. Und sie hat ihn eins zu eins zum DTB-Frauenförderplan umsetzen können, welcher Turnerbund konnte das vor gut zehn Jahren, kann das heute von sich sagen? Elsbeth wurde damit für viele Frauenvertreterinnen zum Vorbild, klar und kämpferisch. Genauso wurde von ihr das vom DTB initiierte Coaching-Projekt 1999 konsequent im Saarländischen Turnerbund umgesetzt.
Wie konnte das alles und noch viel mehr so gelingen? Ich glaube, es sind zwei zentrale Merkmale, die Elsbeth Kallenbach an dieser Stelle ausmachen: die fachliche Autorität mit entsprechender Durchsetzungsfähigkeit und vor allem ist sie nicht beim Theoretisieren stehen geblieben! In Lehrgängen für „ihre“ Frauen, Seminaren und Workshops griff Elsbeth die Themen so auf, dass sie für die praktische Arbeit in Verein und Verband umsetzbar, aber auch für die persönliche (Weiter)Entwicklung der Frauen im Ehrenamt nutzbar wurden. Rhetorik und Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Konfliktmanagement, Personalentwicklung ... dies sind nur einige der Themen, die in den Veranstaltungen bearbeitet wurden. Die angenehme Atmosphäre, mit Kuchen und Kaffee, war stets das „I-Tüpfelchen“ für den ohnehin großen Zuspruch und die rege Teilnahme der saarländischen Frauen.
Elsbeth hat ein modernes Frauen-Netzwerk aufgebaut, oder man könnte auch sagen, hat einfach überall mit- und aufgemischt und dadurch die hohe Effektivität der Frauenarbeit in der gesamten Saarländischen Sportlandschaft und innerhalb des Deutschen Turner-Bundes erreicht.
Inge Voltmann-Hummes,
Vizepräsidentin Frauen, Gleichstellung und Personalentwicklung im Deutschen Turner-Bund
Herzinfarkt: Das neue Frauenleiden

- Aufklärung von Nöten: Herinfarkt bei Frauen
Frauen erwarten die größte gesundheitliche Bedrohung durch Brustkrebs. Tatsächlich aber ist es der Herztod. Die Erwartung entspricht also nicht der Realität. Gründe: Noch immer gilt der Herzinfarkt als Männerthema. Frauen sind in Studien immer noch unterrepräsentiert. Und: Die Aufklärung in den Medien ist häufig mangelhaft.
Von Dr. med. Martin Schlickel.
Die gute Nachricht zuerst: Nach der neusten Statistik (bis 2002) ist die Zahl der Infarkt-Toten von 93.000 im Jahr 1980 auf 64.000 Fälle gesunken. Hinter dieser erfreulichen Entwicklung verbirgt sich jedoch eine dramatische Veränderung: Das Infarktrisiko für Frauen steigt! Nach einer Umfrage der Krankenkassen sind viele Frauen darüber kaum informiert. Ganz wenige wissen zum Beispiel, dass sich der Infarkt bei Frauen oft mit anderen Symptomen ankündigt als bei Männern. Die Kenntnis dieser Unterschiede ist sogar bei Ärzten noch wenig verbreitet.
Weiblicher Herzinfarkt kommt auf leisen Sohlen!
Die Flüchtigkeit der Schmerzen ist typisch für eine Durchblutungsstörung des Herzens und kann erstes Zeichen eines kommenden Herzinfarktes sein. Allerdings deuten Frauen Anzeichen wie Engegefühl in der Brust und ausstrahlende Schmerzen in den linken Arm häufig als harmlos. Wenn nach einem kleinen Anstieg auf dem Nachhauseweg die Brust schmerzt, deuten dies viele eben als mangelnde Fitness. Und wenig später, nachdem sich frau mal hingesetzt hat, sind die Schmerzen ja meistens auch weg. Warum also zum Arzt gehen? Gerade das wäre aber notwendig. Denn ein drohender Herzinfarkt kann sich schon viele Jahre vorher andeuten. Fettablagerung in den Herzkranzgefäßen führen oft zu belastungsabhängigen Beschwerden – bis der große Knall kommt! Weitere typisch weibliche Symptome werden oft nicht richtig gedeutet. So glauben viele Frauen, sie hätten eine Magen-Darm-Erkrankung statt eines Infarkts. Auch aus diesem Grund kommen Frauen mit einem akuten Infarkt einfach immer wieder zu spät ins Krankenhaus. Die Folge: Mehr als die Hälfte überlebt ihren ersten Infarkt nicht.
Wer nicht hört... die „späte Quittung“
Obwohl der Herzinfarkt ein akutes Ereignis ist, entsteht er auf dem Boden einer allgemeinen Gefäßkrankheit, der Arteriosklerose. Diese wird durch die so genannten „cardiovasculären Risikofaktoren“ hervorgerufen und beschleunigt. Chronisches Zigarettenrauchen, hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel sind die wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren. Sie schädigen die Gefäße und führen zu Herzinfarkten, „Raucherbeinen“ und Hirnschlägen. Das Gesamtrisiko des einzelnen lässt sich unter Berücksichtigung des Schweregrades der einzelnen Risikofaktoren kalkulieren. Im Internet steht dazu zum Beispiel die Hompage der Uni Münster zur Verfügung (www.chdrisk.com).
Vorbeugung Tugend Nummer eins
Prävention ist auf mehreren Ebenen möglich. Leider versäumen viele Menschen rechtzeitig etwas für ihre Gesundheit zu tun. Erst wenn sich die Krankheit zeigt, wachen sie erschrocken auf. Dabei ist es leicht, sich seine Gesundheit zu erhalten, wenn man durch einen gesunden Lebensstil und die erforderlichen Früherkennungsmaßnahmen das heutige Wissen in den Alltag überträgt.
Dr. med. Martin Schlickel
Chefarzt Kardiologie Hochwald-Kliniken Weiskirchen,
STB-Vizepräsident Allgemeinen Turnen
Was ist ein Herzinfarkt?
Der Herzinfarkt ist eine akute Durchblutungsunterbrechung von Herzmuskelgewebe. Dieses Gewebe geht, falls es nicht innerhalb weniger Stunden wieder mit Blut versorgt wird, an der Mangelversorgung zugrunde. Das Risiko am Herzinfarkt zu versterben, ist sehr groß. Circa 75 Prozent der Patienten sterben in den ersten vier Stunden des Infarktes. Falls der Infarkt überlebt wird, vernarbt das betroffene Herzmuskelgebiet und ist damit nicht mehr kontraktil und leistungsfähig. Abhängig von der Größe der Infarktnarbe beziehungsweise vom verbleibenden Restmuskel kommt es zur Herzschwäche und oft zu bedrohlichen Herzrhythmusstörungen.
Primärprävention
Dies heißt: Risikofaktoren vermeiden, also gesund leben.
• Strikter Verzicht auf Zigaretten
• Regelmäßige sportliche Aktivität
• Normalgewicht halten bzw erreichen
Im Bereich der Primärprävention sind nicht primär die Ärzte, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen, aber vor allem das einzelne Individuum gefordert. Primärprävention kostet kein Geld. Im Gegenteil, es könnten Milliarden durch die Vermeidung von Folgeerkrankungen gespart werden.
Sekundärprävention
Dies heißt: Entgleisungen korrigieren, Krankheitszustände, die noch zu keinen Schaden geführt haben, behandeln.
• Blutdruck normalisieren
• Blutzuckerentgleisungen bekämpfen
• Fettstoffwechselstörungen behandeln
Im Bereich der Sekundärprävention muss der betroffene Patient eng mit dem Arzt zusammenarbeiten, da hier auch oft Medikamente eingenommen werden müssen.
Tertiärprävention
Dies heißt: die durch die Krankheit entstanden Schädigungen reduzieren und Rückschläge verhindern. In diesem Bereich sind dann zunächst die Ärzte mit der sachgerechten Behandlung der Erkrankung gefordert. Hier geht es um die Sicherung des Lebens, die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und die weitestgehende Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und Selbstversorgung.
„Sport tut Frauen gut – Frauen tun dem Sport gut“
Der Saarländische Turnerbund (STB) will, dass mehr Frauen in Vereinen in die Führung gehen. Fast 90 Prozent aller Übungsstunden werden von Frauen geleitet. Allerdings in den Führungsetagen sind sie kaum zu finden. Ein Seminar hat rund 70 Teilnehmerinnen dazu jetzt Mut gemacht. Die interessanten Vorträge hatten der STB-Landesfrauenausschuss und der Landesausschuss für Frauen im Sport des Landessportverbandes gemeinsam organisiert. Mit Erfolg.
„Frauen sind oft spitze. Deshalb gehören sie auch an die Spitze“ – so lautet seit Jahren das Credo von STB-Vizepräsidentin Frauen, Elsbeth Kallenbach. Nachdem sie den Seminarabend an der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule eröffnete, informierte zunächst Präsidiumskollege Dr. med. Martin Schlickel (Allgemeines Turnen) über sportmedizinische Fragen, die speziell Frauen angehen. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es für Frauen ist, sich selbst in den Blick zu nehmen. Beim Thema „Herzinfarkt“ (siehe Fachbeitrag) ist dies sogar eine Frage des Überlebens. Der Fernseharzt Dr. med. Günter Gerhardt konnte das als wohl bekanntester Gasthörer nur bestätigen. Der Vortrag danach schärfte den Blick dafür, dass Frauen in allen Lebenslagen auf sich stärker achten müssen. Weil sie noch immer allzu oft benachteiligt sind. Dazu war Dr. Uta Engels vom Deutschen Sportbund (DSB) aus Göttingen angereist. Sie war an der dortigen Universität Dozentin für „Gender Studies“, hat ein Jahr lang das DSB-Projekt „Frauen an die Spitze“ betreut und leitet jetzt im Sportbund das Ressort „Präventionspolitik und Gesundheitsmanagement“.
Gender ist Gleichstellung
Frau Dr. Engels steht hinter dem DSB-Projekt „Sport tut Frauen gut – Frauen tun dem Sport gut“. Sie betonte immer wieder: Es geht zwischen Mann und Frau nicht um Gleichmacherei. Vielmehr um gleiche Zugangschancen zu Führung und Macht. Trotz vieler Verbesserungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft würden ungerechterweise Unterschiede gemacht. Ein Beispiel aus dem Alltag: Männer nehmen gesellschaftbedingt von sich aus mehr Raum ein als Frauen. Mit solchen Verhaltensweisen, so Dr. Engels, „reproduzieren wir Geschlecht und Ungerechtigkeit“. Dabei sei die Chance zur Veränderung da. Über Medien könnten Veränderungsprozesse in Gang gebracht werden, wobei auch diese noch allzu häufig überkommenen Rollenklischees verhaftet seien. Und in den Vereinen und Verbänden könnte viele passieren, wenn die Beteiligten die nur anpacken würden. Zur Realisierung der Gleichberechtigung von Geschlechtern nannte sie drei Strategien: Erstens, Frauenförderung über Quote, Mentoring, Vernetzung und Frauenförderplan. Zweitens, Gender Mainstreaming. Die Geschlechter-Perspektive soll dabei im Sinne einer Gemeinschaftsaufgabe zwischen Frauen und Männern ins tägliche Leben Einzug halten. Dabei sei Freiwilligkeit nicht immer Trumpf. Bei der Sportförderung seien auch Geldflüsse wichtig. Dritte Strategie: Managing Diversity. Will heißen: Vielfalt organisieren. Dahinter steckt die Idee, das wir vielfach geprägt sind – über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsschicht, über das Alter, über unsere ethnische Herkunft und so weiter. Das Geschlecht ist dabei ein Teil dieses Verständnisses.
Handlungsbedarf mit Händen zu greifen
Die Teilnehmerinnen hörten den niveauvollen Vorträgen interessiert zu. Zum Beispiel auch Rosel Heinrichs, die Gaufrauenwartin Saarpfalz. Weil sie dort für alle Frauengruppen verantwortlich ist, kennt sie viele Probleme. Dies betrifft auch ihren Heimatverein TV 03 Kirkel. 1.000 Mitglieder hat der Verein. Eine Frau ist im Vorstand, ansonsten nur Männer. „Frauen zur Führung im Verein zu motivieren ist schwer“, weiß sie aus eigener Erfahrung. „Viel jüngere Frauen wollen nicht. Da ist der Beruf, da sind die Kinder. Den Verein nutzen viele für ein bisschen Gymnastik. Das war` s.“ Die Strategie lautet dann: „Immer wieder ansprechen und den Frauen Mut machen“, rät STB-Vizepräsidentin Elsbeth Kallenbach.
Dieter Schmitt
Interview mit Dr. Uta Engels vom Deutschen Sportbund
Sport soll fair sein. Fairness zwischen den Geschlechtern liegt da auf der Hand. Ohne Regeln geht es aber oft nicht. Welche Regeln sollten ehrenamtlich organisierte Vereine beachten?
Dr. Engels: „Ich empfehle, sich genau den Ist-Zustand anzusehen. Wie sind die Gremien besetzt? Wie sieht die Mitgliederstruktur aus? Das sagt dem Verein, was er ändern muss – zum Beispiel die Satzung, indem eine Quotierung eingeführt wird. Oder: Bei der Ist-Analyse stellt sich heraus, dass an vielen strategischen Stellen im Verein Frauen fehlen. Dann kann Mentoring helfen; dabei werden Frauen gezielt unterstützt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, genau zu beschreiben, was eine Funktion im Verein beinhaltet. Dadurch wird die Schwellenangst gesenkt. In einem zweiten Schritt können Checklisten helfen.“
Welche Chance liegt darin für alle?
Dr. Engels: „Beide Seiten werden entlastet, wenn sie einmal die eigene Perspektive verlassen. Das fördert die Kommunikation zwischen Frauen und Männern und damit das gegenseitige Verständnis.“
Welche Sportangebote sollten Vereine anbieten, um Frauen besser anzusprechen?“
Dr. Engels: „Ich finde es wichtig, Frauen bei den Themen abzuholen, die ihnen wichtig sind. Häufig sind das Angebote rund um Bauch, Beine, Po. Allerdings ist es ebenso wichtig, über die Übungsstunde neue Inhalte zu transportieren. Nämlich, über Methoden der Körperwahrnehmung die Sinne dafür zu schärfen, was wirklich innere Sicherheit verleiht. Bei anderen Sportangeboten gilt es einfach, gesunden Menschenverstand zu beweisen. Wenn Frauen ein Angebot nicht annehmen, kann dies auch einfach daran liegen, dass der Weg zur Turnhalle schlecht beleuchtet ist und sie Angst hatten. Der Landessportverband Nordrhein-Westfalen hat dazu eine Studie erstellt, die jetzt in die dortige Sportstättenentwicklung einfließt.“
Wie können Frauen zu mehr Führung im Verein bewegt werden? Was wirkt motivierend?
Dr. Engels: „Auch hier können es ganz einfache Dinge sein, die viel bewirken. Einmal im Jahr einen Fotowettbewerb zum Thema Frauen machen oder Preise ausschreiben – solche Aktionen machen die wichtige Arbeit von Frauen in Vereinen sichtbar. Leistung muss beachtet und wertgeschätzt werden.“

